Überlastung durch große Auswahl

 

[engl. choice overload], [KOG, WIR], bez. das Erleben von Überforderung in einer Entscheidungssituation (Entscheiden, Entscheidungstheorie). Umgangssprachlich handelt es sich um die «Qual der Wahl», die mit Konsequenzen im Erleben und Verhalten verbunden ist. In der Forschung wird Überlastung durch große Auswahl v. a. durch die Anzahl von Optionen, aus denen Pbn wählen müssen, manipuliert. In einer Studie von Iyengar und Lepper (2000) etwa konnten Pbn eine Marmelade aus einem Sortiment von 6 oder 24 Sorten kaufen; beim größeren Sortiment zeigten sich stärkere Hinweise auf Überlastung durch große Auswahl. Die Situation mit einer Vielzahl von Optionen ist komplexer und es ist meist aufwendiger eine Wahl zu treffen. In dieser Situation tendieren Personen dazu, Überlastung durch große Auswahl zu erleben. Als latentes Konstrukt wird Überlastung durch große Auswahl nicht direkt erfasst, sondern manifestiert sich im Erleben von geringerer Zufriedenheit und Sicherheit mit einer Wahl und im stärkeren Erleben neg. Emotionen wie Enttäuschung oder Bereuen. Auf der Verhaltensebene manifestiert sich Überlastung durch große Auswahl in einer höheren Wahrscheinlichkeit die Wahl aufzuschieben oder zu revidieren, oder in der Entscheidung für Optionen, deren Wahl einfacher zu rechtfertigen ist. Überlastung durch große Auswahl erscheint paradox, da es bei mehr Optionen eigentlich zu einer besseren Passung zw. Produkt und Zielen einer Person und damit einer besseren Wahl kommen sollte.

Der Überlastung durch große Auswahl-Effekt tritt nicht immer auf, sondern ist von best. Randbedingungen abhängig. Überlastung ist dann wahrscheinlicher, wenn (1) die Entscheidung schwierig ist (hohe Zahl an Attributen, Präsentationsformat, Zeitdruck), (2) die Optionen insges. ein komplexes Set darstellen (z. B. keine dominante Option vorhanden ist, das Set insges. attraktiv ist), (3) Personen unklare Präferenzen (z. B. mangels Expertise) besitzen und (4) Personen nicht bereit sind, kogn. Ressourcen einzusetzen bzw. sich anzustrengen. Unter anderen Bedingungen, etwa bei hoher Expertise kann auch ein gegenteiliger Effekt auftreten. kognitive Fehler.

Referenzen und vertiefende Literatur

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