Umweltpsychologie

 

(= U.) [engl. environmental psychology], ökologische Psychologie, [SOZ], bezeichnet ein Forschungsparadigma, das sich als Antwort auf die Konsistenzkrise der Ps. versteht. Nach der Doktrin der U. verbessert sich die Verhaltensvorhersage psychol. Konzepte dann, wenn Personen in ihren Umwelten (d. h. Kontexten) zum Gegenstand der Ps. gemacht werden. Dabei geht es um eine Abgrenzung von dem allzu personorientierten Paradigma der Differentiellen Psychologie, das den Kontext des Subjekts weitgehend ausblendet, und auch vom Paradigma der Allgemeinen Ps., das Verhalten im Extrem auf den Stimulus und damit auf die Umwelt zurückführt. Während die Differentielle Ps. sich dem modernen Interaktionismus zuwandte, machte die U. die sog. Mensch-Umwelt-Einheit (d. h. die Beobachtungseinheit von Menschen in ihren Umwelten) zum Forschungsgegenstand. Wegen Mangels an externer Validität lehnte die U. folgerichtig Laborexperimente lange Zeit als Mittel ps. Erkenntnisgewinnung grundsätzlich ab. Bahnbrechend sind Befunde zur interpersonalen Kommunikationsdistanz, zum Gedrängestress und zu Wohn-, Arbeits-, städtischen und restaurativen Umwelten. Große Resonanz findet U. noch stets in der Architektur und der Stadtplanung. Letztlich steckt auch im Programm der Kulturvergleichspsychologie (engl. cross-cultural psychology; kulturvergleichende Psychologie) der Zweifel an der universellen Gültigkeit und damit die Forderung nach empirischer Prüfung der Umweltunabhängigkeit psychol. Theorien. U. [engl. conservation psychology] bez. demgegenüber auch einen Bereich der Ps. mit einem Problemfokus auf Nachhaltigkeit, Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz. Im Sinn von Umweltschutzps. wird U. damit zu einem interdisziplinär orientierten Anwendungsfeld vor allem sozialpsychol. Theorien und Konzepte. Derzeit dürfte dies die im dt. Sprachraum zahlenmäßig dominante Fraktion innerhalb der U. sein. Umweltnutzungspsychologie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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