Unaufmerksamkeitsblindheit

 

(= I.) [engl. inattentional blindness], [KOG], mit I. wird ein Versagen der Wahrnehmung eigentlich auffälliger bzw. gut sichtbarer Objekte bezeichnet, die durch die Nicht-Zuweisung von Aufmerksamkeit an den Ort innerhalb einer visuellen Szene, an dem ein Objekt erscheint, oder an das Objekt selber erklärt werden kann. Verwandte Phänomene sind die Veränderungsblindheit (change blindness) und das Aufmerksamkeitsblinzeln (attentional blink). I. ist ein alltägliches und häufiges Phänomen, da es aber nicht erfolgte Wahrnehmungen beschreibt, sind spezielle Versuchsanordnungen für dessen exp. Nachweis erforderlich. Ein Nachweis von I. gelingt z. B., wenn Pbn unter Zeitdruck eine schwierige Diskriminationsaufgabe zu lösen haben, die die Allokation räumlicher Aufmerksamkeit erfordert, wie z. B. die Beurteilung der relativen Länge der Arme eines Kreuzes. Wird während des Lösens der Aufgabe ein zusätzliches Objekt dargeboten, das die Pbn nicht erwarten und dem sie folglich keine Aufmerksamkeit zuweisen, so sind sie nicht in der Lage, zusätzlich zur Diskriminationsaufgabe die Merkmale des Objekts vollst. zu berichten (Unaufmerksamkeitsbedingung). Wird das zusätzliche Objekt erwartet, sodass die Zuweisung von Aufmerksamkeit geplant werden kann (Bedingung geteilter Aufmerksamkeit), bzw. die Beschreibung des zusätzlichen Objekts zur Primäraufgabe (Bedingung voller Aufmerksamkeit), so können die Merkmale korrekt berichtet werden (Mack & Rock, 1998). Ein durch das Fernsehen auch einem breiten Publikum bekanntes Bsp. für eine überdauernde U. stammt von Simons und Chabris (1999). Die Pbn betrachten dabei eine kurze Filmsequenz mit der Aufgabe, kontinuierlich den Zähler der Häufigkeit eines wiederholt auftretenden Ereignisses zu inkrementieren. Innerhalb der Filmsequenz wird ein unerwartetes, jedoch sehr auffälliges Ereignis eingeblendet, das – bedingt durch die Fokussierung der selektiven Aufmerksamkeit auf das aufgabenrelevante Ereignis und der damit einhergehenden I. für irrelevante Information – von den Pbn nicht wahrgenommen und erst bei einer anschließenden aufgabenfreien Betrachtung des Films zur eigenen Verblüffung entdeckt wird. Unaufmerksamkeitstaubheit.

Referenzen und vertiefende Literatur

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