Vandalismus

 

(= V.) [engl. vandalism; Vandalen germanisches Volk, das im Jahr 455 n. Chr. plündernd in Rom einfiel], [SOZ], beschreibt kontraproduktives Verhalten auf Makroebene und geht ursprünglich auf den frz. Bischof Henri-Baptiste Grégoire (Grégoire, 1794) zurück, der damit sinnloses Morden und die Zerstörung von Kunstwerken beschrieben hat. In der Gegenwart bezeichnet V. eine im weitesten Sinne bewusste illegale Beschädigung oder Zerstörung fremden Eigentums und verursacht in Dt. jährlich Schäden von etwa 1 Mrd. Euro. Die zumeist jugendlichen Täter mehrheitlich männlichen Geschlechts beschädigen vor allem Güter, die der Allgemeinheit dienen, wie Bahnhofseinrichtungen, öffentliche Verkehrsmittel, Telefonzellen und öffentliche Gebäude. Problematisch sind dabei neben den materiellen auch die soz. Kosten, z. B. wenn rassistische Parolen auf öffentliche Gebäude geschmiert werden. Die zugrundeliegenden Motive können nach Goldstein (1996) anhand von drei unterschiedlichen Theorien erklärt werden: (1) Nach der Ästhetiktheorie können Faktoren, die Einfluss auf ästhetische Erfahrungen haben, wie Komplexität, Vorhersagbarkeit und Neuheit, auch Spaß an der Zerstörung von Objekten hervorrufen. Einfache Situationen und Objekte erzeugen demnach schneller Langeweile, während Unerwartetheit zu Überraschung und pos. Aufgeregtheit führt. (2) Die Enjoyment Theory [engl. Theorie des Vergnügens] betont vor allem eine relative intrinsische (Motivation, intrinsische; Theorien) Belohnung durch V., also ein Genießen von unsoz. Verhaltensweisen in Situationen, die als langweilig erlebt werden und denen man sich nur schwer entziehen kann, z. B. im Schulalltag. (3) Die Gerechtigkeits-Kontroll-Theorie sieht das Motiv für V. vor allem darin, auf wahrgenommene Ungerechtigkeit mit zerstörerischem Handeln zu reagieren, um so subj. Gerechtigkeit herzustellen. Wenn erlebte Ungerechtigkeit beeinflusst werden kann, wird auf gesellschaftlich akzeptierte Mittel zurückgegriffen, bei empfundener Hilflosigkeit stellt V. eine Möglichkeit dar, das Gefühl fehlender Kontrolle zu kanalisieren. Gewalt, Gewaltdelinquenz.

Referenzen und vertiefende Literatur

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