Verbalkonditionierung

 

(= V.) [engl. verbal conditioning; lat. condicio Bedingung], [KOG], Begriff aus dem Behaviorismus zur Beschreibung und ggf. Erklärung von unter spezif. Lernbedingungen beobachtbaren Veränderungen relativ einfacher Merkmale sprachlichen Verhaltens (Sprechen). Die mit der Erforschung des nicht sprachlichen Lernens eingeführten Begriffe der klassischen Konditionierung und operanten Konditionierung wurden beim Versuch ihrer theoret. Generalisierung auch auf sprachliches Lernen übertragen (Sprachentwicklung, Spracherlernen).

Exp. Paradigma der klass. V. (= Konditionieren von Bedeutungen) ist folg. Situation: Eine bedeutungslose Silbe (z. B. YOF) wird mit jew. versch., aber hinsichtlich eines Bedeutungsmerkmals untereinander ähnlichen sinnvollen Wörtern gepaart (z. B. mit Liebe, schön, Ferien, Mutter usw.; gemeinsame Komponente: pos. Gefühlston): Jedes sinnvolle Wort tritt mit der sinnfreien Silbe nur einmal zus. auf, sodass keine Paarassoziationen (Assoziation) zw. irgendeinem dieser Wörter und der Silbe entstehen. Eine anschließende Einstufung der Silbe YOF, z. B. auf einem semantischen Differenzial, ergibt dennoch eine im Vergleich zu einer Kontrollgruppe relativ pos. Beurteilung der Silbe, selbst dann, wenn Wissentlichkeit des Versuchszwecks (awareness) bei den Vpn auszuschließen ist. Die Bedeutungs-Teil-Response «pos. Gefühlston» wird – unter Ausschluss assoziativer Verknüpfungen – auf die Silbe YOF «klassisch» konditioniert, wie beim Pawlow-Hund die Speichel-Response auf ein Tonsignal.

Die instrumentelle oder operante V. kennt zwei klassische exp. Paradigmen: Nach dem Greenspoon-Verfahren (Greenspoon, Joel) wird die Vp aufgefordert, eine Zeit lang isolierte Wörter nach freier Wahl aufzusagen. Der Vl bekräftigt das Nennen von Wörtern einer best., z. B. grammatischen (Plural) oder semantischen («menschlich») Klasse möglichst unauffällig durch eine unmittelbar darauffolg. Äußerung wie «gut» oder «mmh». Ein Anstieg in der Produktionshäufigkeit von Wörtern der bekräftigten Art wird als operante V. interpretiert. Nach dem Tafel-Verfahren erhält die Vp Karten mit einer Anzahl von Wörtern, unter denen sie zur Erledigung einer Satzbildungsaufgabe mehr oder weniger beliebig auswählen darf. Wird dann z. B. das Auswählen von Pronomen der ersten Person aus einer größeren Anzahl von Personalpronomen durch «mmh» etc. bekräftigt, dann wird ein Anstieg in der Wahlhäufigkeit der entspr. Wortart als V. interpretiert. Gegen die Erklärung der exp. Effekte durch V. wurden kognitivistische Einwände (Awareness-Problem) erhoben (Spielberger). Verhaltenstherapie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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