Vergessen

 

(= V.) [engl. forgetting, neglect, oblivion], [KOG], bedeutet als empirischer Begriff nicht mehr erinnern (Erinnerung), nicht reproduzieren können (Reproduktionsaufgabe) oder nicht wiedererkennen von früheren Bewusstseinsinhalten. Wenn bedingte Reaktionen von ihren bedingten Reizen nicht mehr ausgelöst werden, spricht man von Auslöschung oder Extinktion. Zur Erklärung des V. gibt es versch.Theorien. Nach verbreiteter, aber nicht allg. anerkannter Annahme bedingt die Zeit das V. (Spurenzerfall in der Zeit). Mit ihr wird die Gedächtniswirkung vermindert, und zwar umso mehr, je größer der zeitliche Abstand vom Zeitpunkt der Aneignung des Gedächtnismaterials ist. Dies wurde sehr anschaulich schon in der ersten Untersuchung zum Gedächtnis mit der sog. Vergessenskurve (auch Behaltenskurve) von Ebbinghaus dargestellt. Sie zeigt die jew. Anzahl der nach best. Zeitabständen noch erinnerten, aber zuvor vollst. gelernten sinnlosen Silben. Es ist jedoch sicher, dass in der Zeit weitere für das V. spezif. Faktoren wirken: (1) die angehäufte reaktive Hemmung und konditionierte Hemmung; (2) Interferenz, d. h. der Ersatz von Gedächtnisinhalten durch andere (retroaktive (rückwirkende), proaktive (vorwirkende) Hemmung); (3) Störungen des Abrufs (Abruf) durch versch. Einbettung der Abrufsignale in der Lernphase und in der Prüfphase (Paradigma: eingebettete (Gottschaldt) Figuren); (4) Kognitive Vermeidung, d. h. absichtliche oder undeutlich-unabsichtliche Unterdrückung von Inhalten, die sich in der betreffenden Situation als unangenehm (neg. verstärkt) erwiesen haben (Verdrängung). Das von Ribot 1881 aufgestellte Gesetz des Vergessens (Ribot’sches Gesetz) besagt, dass der Abbau der Gedächtnisinhalte in umgekehrter Reihenfolge ihres Aufbaus vor sich geht. Gedächtnis, Gedächtnisprüfung, Vergessen, abrufinduziertes, Vergessen, gerichtetes

Referenzen und vertiefende Literatur

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