Verhaltensprävention

 

(= V.) [engl. behavioral prevention; lat. praevenire zuvorkommen], [AO, GES], die V. ist ein Sammelbegriff für Maßnahmen, die i. R. von Konzepten der Gesundheitsförderung in Organisationen auf die Beeinflussung und Veränderung indiv. gesundheitsschützender und gesundheitsfördernder Verhaltensweisen abzielen. Berufskrankheiten, beruflich (mit)bedingte Erkrankungen, Depressionen oder psychosomatische Störungen (Psychosomatik), die die physischen und psychosozialen Kosten von Belastungen und Stress ausmachen, sollen durch Maßnahmen der V. verringert und die indiv. Gesundheitsressourcen (Ressourcen, gesundheitsbezogene) gestärkt werden. Im Unterschied zur V. zielen Maßnahmen der Verhältnisprävention auf die gesundheitsschützenden und -fördernden betrieblichen Bedingungen (Verhältnisse). Die volks- und betriebswirtschaftlichen Kosten von Krankheiten (Krankheit) und Gesundheitsstörungen sind das Hauptmotiv, warum Unternehmen gesundheits- und verhaltensorientierte Interventionsmaßnahmen (Intervention) zur Eindämmung dieser Kosten ergreifen. Direkte Ziele sind dabei die Erhaltung der Gesundheit und damit der Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden und des Betriebes, indirekte Ziele auch eine stärkere Bindung des Personals an das Unternehmen (Commitment), höhere Motivation und Zufriedenheit und damit auch eine verbesserte Leistungsbereitschaft der Belegschaft. Die quant. Verbreitung betrieblicher Gesundheitsmaßnahmen ist trotz der immensen Literaturproduktion zur Gesundheitsförderung (z. B. Bamberg et al., 2011) bzw. Gesundheitsmanagement (z. B. Ulich, Wülser, 2012) immer noch sehr gering, nimmt aber seit einigen Jahren stetig zu. Untersuchungen in Dt., Österreich und der Schweiz zum Stellenwert der Gesundheitsmaßnahmen im Betrieb erbrachten u. a. folg. Befunde: (1) Orientiert an Risikofaktoren wie Rauchen, schlechte Ernährung (Essverhalten), Alkohol (Alkoholismus) und Bewegungsmangel, führen Produktions- und Dienstleistungsbetriebe (Industrie, Banken, Versicherungen, Einzelhandel) präventive Verhaltensmaßnahmen (Prävention) zur Abwehr dieser Risiken und zur Änderung des Verhaltens der Angestellten durch. (2) Die meisten Betriebe beschränken sich auf einzelne Maßnahmen (z. B. Antirauchkampagnen, Rückenschulen, Haltungs- und Entspannungstrainings; Entspannungsverfahren); umfassende Maßnahmenpakete sind wesentlich seltener. Gesundheitsförderung beschränkt sich also überwiegend auf Interventionen auf indiv. Ebene (z. B. Bewegungs- und Ernährungsprogramme, Suchtprävention, Stressmanagement (Stressbewältigung) oder Kompetenztraining). Diese Ansätze entsprechen den v. a. in den angelsächsischen Ländern (USA, UK) verbreiteten Programmen wie: Worksite Health Promotion und Employee Assistance. Nach Ansicht vieler Betriebe liegt die Verantwortung für die Gesundheit immer noch bei den einzelnen Mitarbeitenden. Stressintensive und ungesunde Arbeitsbedingungen werden seltener als veränderbar gesehen. Kurz: Es wird viel V., aber wenig Verhältnisprävention praktiziert.

Verwendete Literatur

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