Verhandlungstheorie von Komorita und Chertkoff

 

(= V.), [engl. bargaining theory of coalition formation], [KOG, SOZ, WIR], beschreibt den Prozess der Koalitionsbildung und der Aufteilung der Erträge unter den Koalitionsmitgliedern als einen Verhandlungsprozess. Hierbei werden Koalitions- und Aufteilungsangebote ausgetauscht, wobei die an einer Koalitionsverhandlung Beteiligten die Stärken und Schwächen ihrer Positionen z. T. erkennen und eine gewisse Voraussicht über den Verhandlungsprozess bzw. mögliche Verhandlungsverläufe besitzen. Die Entwicklung und empirische Prüfung der Theorie erfolgte insbes. anhand der Analyse des Verhaltens von Teilnehmern in Koalitionsspielen. Die Spieler wollen hier gemäß der V. eine Koalition bilden, die ihnen selbst einen möglichst hohen eigenen Gewinn einbringt. Wie schon frühere Theorien (Theorie der Beherrschung, Theorie der minimalen Ressourcen, Theorie der minimalen Macht; vgl. Crott, 1979) sagt auch die V. daher eine Präferenz zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit eher schwächeren Spielern (mit weniger Ressourcen oder alternativen Koalitionsoptionen) voraus, die einen gemeinsamen Erfolg gerade noch ermöglichen. Denn das Anspruchsniveau schwächerer Spieler bzgl. Gewinnaufteilung ist tendenziell niedriger, was die Gewinnerwartung ihrer Koalitionspartner bei Verhandlungen tendenziell erhöht. Daher kommt es unter best. Umständen zu einem Stärke-ist-Schwäche-Effekt, wonach ein Spieler mit vielen Ressourcen seltener in die erfolgreiche Koalition aufgenommen wird als vergleichsweise schwächere Spieler. Wenn ein starker Spieler jedoch viele alternative Optionen für die Bildung erfolgreicher Koalitionen besitzt, so hat er gemäß der Theorie auch eine gute Verhandlungsposition und wird häufig in die erfolgreiche Koalition aufgenommen. In Bezug auf die Aufteilung der Gesamterträge einer Koalition betonen die schwächeren Verhandlungspartner mit wenigen Ressourcen eher die Norm zur Gleichaufteilung, während solche mit vielen Ressourcen eher für eine hierzu proportionale Aufteilung der Gewinne argumentieren. Die Aufteilung erfolgt dann gemäß der V. als ein Kompromiss zw. beiden Prinzipien.

Referenzen und vertiefende Literatur

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