Versorgungsforschung

 

(= V.) [engl. health services research], [GES], V. meint «die wiss. Untersuchung der Versorgung von Einzelnen und der Bevölkerung mit gesundheitsrelevanten Produkten und Dienstleistungen unter Alltagsbedingungen» (Arbeitskreis Versorgungsforschung, 2004). Dabei liegen die Aufgaben der V. in der Beschreibung, Erklärung, Gestaltung und Evaluation der gesundheitlichen Versorgung. Ein Kernelement dieser Def. ist die Untersuchung von Gesundheitsleistungen unter Alltagsbedingungen. Somit versucht die Versorgungsforschung, über die absolute Wirksamkeit (efficacy) einer Versorgungsleistung hinausgehend, die relative Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen (effectiveness) zu bestimmen. Das unterscheidet die V. von klin. Studien. Diese beziehen sich i. d. R. auf ein eng definiertes Pat.kollektiv, um die interne Validität einer Studie zu erhöhen (Pfaff & Schrappe, 2011; Evidenzbasierung, Validität, interne). Im Ggs. dazu definieren V.studien hingegen so wenig wie möglich Ausschlusskriterien und beziehen z. B. explizit ältere, mehrfach und chronisch kranke Patienten in Studien ein. Dadurch soll die Versorgungsrealität abgebildet werden. Ein weiteres wichtiges Merkmal von V. ist die Pat.orientierung. Daher werden in der V. neben klin. und sozioökonomischen Parametern nach Möglichkeit durch Pat. eingeschätzte Parameter, sog. patient-reported outcomes wie z. B. die gesundheitsbezogene Lebensqualität, zur Beurteilung des Behandlungserfolgs herangezogen (Pfaff & Schrappe, 2011). Darüber hinaus wird der sog. Kontext einer Gesundheitsleistung, also der organisationsbezogene Einfluss der Versorgungsstrukturen und -prozesse, in vielen V.studien ausdrücklich berücksichtigt. Wiss. Bezugsdisziplinen der V. sind z. B. die Ps., Soziologie, Epidemiologie, Ethik, Pflegeforschung, Gesundheitsökonomie oder Public-Health-Forschung. Neben der Einbindung unterschiedlicher wiss. Disziplinen ist die Zusammenarbeit mit der Versorgungspraxis, z. B. mit den beteiligten Gesundheitsprofessionen, der Führung von Versorgungseinrichtungen oder Pat.vertretern, eine zentrale Voraussetzung angemessener V. Die Zusammenarbeit sollte dabei in allen Phasen der V. stattfinden, von der Entwicklung der Forschungsfrage bis hin zur Ableitung der Implikationen für die Versorgungspraxis (Ernstmann, 2011).

Verwendete Literatur

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