Vorruhestand, Akzeptanz

 

[engl. early retirement, acceptance], [AO, EW], während sich Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre viele Vorruheständler noch gesellschaftlich ausgegrenzt fühlten und nicht selten das Gefühl hatten, der Gesellschaft zur Last zu fallen, ist heute ein «neues Ruhestandsbewusstsein» erkennbar: Ein vorzeitiger Ruhestand wird nicht nur i. Allg. akzeptiert, sondern häufig ausdrücklich begrüßt und – wo vor dem Hintergrund der veränderten Gesetzeslage noch möglich – angestrebt. Generell ist festzustellen, dass es «die» Älteren zw. 55 und 64 Jahren nicht gibt. Die Angehörigen dieser Altersgruppe unterscheiden sich sowohl in ihren Beschäftigungsmöglichkeiten als auch in ihren Erwartungen und Zielsetzungen erheblich. Während einige bis zum 65. Lebensjahr und möglicherweise auch darüber hinaus arbeiten können und wollen, sind andere dazu infolge von fehlenden Qualifikationen, beeinträchtigtem Gesundheitszustand (Gesundheit, Krankheit, Behinderung) oder Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzangebot nicht in der Lage. Wiederum andere könnten durchaus länger arbeiten, ziehen aber aus unterschiedlichen Gründen einen früheren Ausstieg vor. Auch in Zukunft werden viele ältere Beschäftigte vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden wollen: Erstens ist ein subj. sinnerfülltes Leben heute im Vergleich zu früher weniger eng an Arbeit gebunden, Familien- und Freizeitorientierung älterer Beschäftigter haben im Vergleich zur Arbeitsorientierung an Bedeutung gewonnen. Zweitens ist ein erheblicher Teil infolge gestiegener Einkommen und Vermögen in der Lage, Rentenabschläge in Kauf zu nehmen. Hier wirken sich Erbschaften ebenso aus wie die mit steigender Frauenerwerbsquote angestiegene Anzahl an Haushalten mit zwei Einkommen. Drittens spiegeln indiv. Verrentungsentscheidungen auch den Wunsch oder die Notwendigkeit wider, in anderen Rollen und Lebensbezügen (Kinderbetreuung, Pflege, Ehrenamt) Verantwortung zu übernehmen. Viertens werden zukünftige Kohorten älterer Arbeitnehmer, insbes. die höher Qualifizierten unter ihnen, möglicherweise auch höhere Anforderungen an Arbeitsinhalte und Arbeitsbedingungen stellen. Und es kommt hinzu: Zukünftig wird ein nicht kleiner Teil nach wie vor infolge von gesundheitlichen Einschränkungen, fehlenden Qualifikationen oder einem Mangel an geeigneten Arbeitsplätzen aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen (BMFSFJ 2006). Psychologie des Alterns, Ruhestand, Anpassung an, Silver Work.

Verwendete Literatur

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