VR-Behandlungen

 

(= V.) [engl. virtual reality therapy], [KLI], V. bedeuten den Einsatz von Virtual-Reality-Technologien (CAVE-Umgebungen, head-mounted displays zur Diagnose und Behandlung von psych. Störungen (insbes. von Angststörungen). Virtual-Reality-Technologie bietet die Möglichkeit, Diagnose- und Behandlungsumgebungen zu schaffen, die die Präsentation und Kontrolle von komplexen, dynamischen und interaktiven 3-D-Stimuli erlauben. V. werden i. d. R. i. R. einer kogn. Verhaltenstherapie, aber auch zu Trainingszwecken eingesetzt (z. B. beim Militär i. R. von Resilienztrainings; Resilienz). Der Einsatz von V. bietet nach Wiederhold (2004) u. a. folg. Vorteile: (1) Präsentation von ökologisch validen Diagnose- und Behandlungsszenarien (ökologische Validität), (2) Präsentation von dynamischen und interaktiven 3-D-Stimuli, die anderweitig schwierig umzusetzen wären (z. B. einstürzende Hochhäuser i. R. der Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung für Katastrophenhelfer), (3) kontrollierte, wiederholte und hierarchische Stimulusdarbietung, die auf den Behandlungsfortschritt angepasst werden kann, (4) Modifikation sensorischer Darbietung von Stimuli und Reaktionsmöglichkeiten basierend auf Einschränkungen der Nutzer (Bewegungs-, Hör-, Sehbeeinträchtigungen), (5) natürliche und intuitive Aufzeichnung von Reaktionsweisen der Behandelten, die durch Therapeuten für eine Begutachtung und Analyse (z. B. des Fortschritts der Behandlung; therapeutische Veränderung) genutzt werden können, (6) Schaffung sicherer Übungsumgebungen, die die Risiken durch gemachte Fehler minimieren, (7) Integration von virtuellen Agenten für Anwendungen, die auf die Behandlung bzw. das Training von sozialen Interaktionen abzielen.

V. in der Psychotherapie werden i. R. von Konfrontationstherapien (Konfrontation mit Reaktionsverhinderung) und systematischer Desensibilisierung eingesetzt. Vor diesem Hintergrund nimmt eine virtuelle Exposition eine Mittelstellung zw. In-vivo-Exposition und In-sensu-Exposition ein. Im Vergleich zu einer In-vivo-Exposition findet eine V.-Exposition in einem geschützteren Rahmen statt (z. B. in der Praxis von Therapeuten) und ist damit deutlich diskreter als z. B. eine Konfrontation mit einem großen realen Publikum bei einer Sprechangst-Behandlung. Zudem haben V. eine niedrigere Hemmschwelle, da ein virtuelles Szenario eben nicht real ist. Davon profitieren Klienten, die sich auf eine In-vivo-Behandlung nicht einlassen möchten. Schließlich können V. zeit- und kostengünstiger sein, wenn bspw. keine oder zumindest weniger Besuche an einem Flughafen nötig sind, um Flugangst zu behandeln. Im Vergleich zu In-sensu-Konfrontationen sind virtuelle Expositionen deutlich immersiver. Die gleichzeitige und realistische Stimulierung mehrerer Sinnesorgane (hauptsächlich visuell, aber auch auditorisch und haptisch) während der virtuellen Exposition führt zu einer schnelleren Desensibilisierung als bei einer In-sensu-Exposition. Bei Letzterer können Klienten gedanklich abschweifen, was zu einer unvollst. Aktivierung der Angststrukturen und damit möglicherweise zu längeren Behandlungszeiten führt. I. Ggs. dazu kann die Darbietung von V.-Stimuli schlecht ignoriert werden.

Anwendungsfelder von V. in der Psychoth. sind v. a. Phobien (Phobien, spezifische; Akrophobie, Aviophobie, Glossophobie, Agoraphobie, Panikstörung, Klaustrophobie, Arachnophobie) sowie Zwangsstörungen und Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Zudem stellen Essstörungen ein Behandlungsfeld dar (Anorexie, Bulimie, Bulimia nervosa, Binge-Eating-Störung). Letztlich werden V. auch bei Substanzmissbrauch (z. B. Nikotin, Alkohol) angewendet. Weitere Anwendungsfelder sind die Neuropsychologie (Diagnose und Rehabilitation) und med. Schmerzbehandlung (Schmerz, Ablenkung mittels virtueller Umgebungen). [virtuallybetter.com]. Internet-Interventionen.

Verwendete Literatur

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