Wahrheitseffekt

 

(= W.) [engl. truth effect], [KOG], Hasher et al., 1977; Der W. beschreibt den Effekt, dass Personen bereits rezipierten Aussagen größere Wahrheitsgehalte zusprechen als erstmals gelesenen, gesehenen oder gehörten Informationen. Die Versuchsanordnung von Hasher, Goldstein und Toppino präsentierte den Pbn. zu drei Messzeitpunkten jew. sechzig Aussagen zur Allgemeinbildung, die jew. zur Hälfte falsch und zur Hälfte richtig und von ihrem Schwierigkeitsgrad nicht zwingend als bekannt vorauszusetzen waren (bspw. aus dem Bereich der Künste: «Ernest Hemingway erhielt den Pulitzer-Preis für Der alte Mann und das Meer»). Die Aussagen wurden auf einer siebenstufigen Ratingskala zum Vertrauen in die Wahrhaftigkeit der Aussagen durch die Pbn bewertet. Bei den Messwiederholungen wurden den Pbn in neuen Aussagensets jew. zehn richtige und falsche Informationen der bereits aus der ersten Messung bekannten Aussagen präsentiert. Die Autoren zeigen, dass die bereits aus den vorhergehenden Messungen bekannten Aussagen von den Pbn für wahrer gehalten werden als die erstmals präsentierten Informationen. Zur Erklärung dieses Effektes wird auf die implizite Gedächtnisleistung von Rezipienten verwiesen, die den impliziten – nicht mehr bewusst erinnerbaren – Aussagen einen höheren Wahrheitsgehalt zuweist. Nachdem in der Fachdiskussion anfänglich insbes. die Familiarität der Aussagen, i. S. entstehender Vertrautheit über mehrfachen Kontakt (s. auch mere exposure), als maßgebliche Erklärung des W. gesehen wurde, beschäftigen sich aktuelle Forschungsbeiträge stärker mit Aspekten der perzeptuellen Flüssigkeit (perceptual fluency) der präsentierten Aussagen. Insbes. im Bereich der Werbewirkungsforschung werden hierzu Farb-, Schrift- und Schriftgrößenvariationen in werblichen Kommunikationsangeboten genutzt, um Auswirkungen der Verarbeitungsflüssigkeit auf den W. zu prüfen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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