Wahrnehmung, präattentive

 

(= p.W.) [engl. preattentive perception; lat. prae vor, attendere beachten], [KOG, WA], präattentiv nennt man visuelle Wahrnehmung, die auf relativ einfache Verarbeitungsschritte zurückgehen und insbes. ohne Einfluss von Aufmerksamkeitsprozessen zustande kommen. Es handelt sich hierbei vor allem um sog. Nachbarschaftsoperationen, in denen aus einer kleinen Bildregion, z. B. dem rezeptiven Feld eines Neurons, eine W.größe ermittelt wird, die dann von dem Neuron kodiert wird. Da diese Operation lokal erfolgt, kann sie parallel im ganzen Bild ablaufen; attentive Verarbeitung erfolgt demgegenüber seriell. Das Ergebnis ist wiederum eine räumliche Verteilung der W.größe, die man als ein mit dem rezeptiven Feld gefiltertes Bild auffassen kann. Das Modell der Merkmalsintegration von Treisman & Gelade (1980) geht davon aus, dass auf diese Weise die visuellen W.dimensionen Farbe, Kontrast, Textur, Tiefe und Bewegung verarbeitet werden. Für jede dieser Dimensionen nimmt man eine oder mehrere Karten an, d. h. Schichten von Neuronen mit bis auf die Position identischen rezeptiven Feldern, die jew. versch. Farbkontraste, Orientierungen und Körnigkeiten (Ortsfrequenzgehalt) von Kanten, Bewegungen etc. kodieren. Eine einflussreiche Implementierung von Itti und Koch (2001, s. Itti et al., 2005) geht so von ca. 50 Karten aus. Neuronal sind diese Karten nicht nachweisbar; man stellt sich vor, dass sie in der Hyperkolumnenstruktur des primären visuellen Kortex «eingeschachtelt» sind (Okzipitalkortex). Für serielle Verarbeitungen sollen diese Karten über einen in allen Karten gleichpositionierten Suchscheinwerfer (spotlight of attention; Spotlight-Metapher) integriert werden.

In der p. W. äußert sich die Unterscheidung zw. attentiven und p. Prozessen vor allem in den Paradigmen der visuellen Suche (Treisman & Gelade, 1980; visuelle Suche) und dem schon in der Gestaltpsychologie studierten Phänomen der Gruppierung. Bei der visuellen Suche soll in einem Feld von Mustern (Distraktoren, z. B. Kreise) ein abweichendes Zielmuster (z. B. Dreieck) gefunden werden (Odd-man-Out-Paradigma). Die Unterscheidung zw. den beiden Mustern heißt p., wenn die Reaktionszeit nicht von der Anzahl der Distraktoren abhängt; man spricht in diesem Fall auch von pop-out (Pop-out-Effekt). Diese Def. ist nicht immer eindeutig, so gibt es Fälle, in denen nach Vertauschung von Distraktor und Ziel das «Herausspringen» verschwindet. Bei Gruppierungsexperimenten ordnet man die beiden Musterklassen in aneinandergrenzenden Bildbereichen an. Nimmt man eine Texturgrenze wahr, so geht man von einer p. Unterscheidbarkeit der Muster aus. Mustererkennung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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