Werte, persönliche

 

[engl. peronal values], [EM, KOG, PER, SOZ], sind Überzeugungen einer Person zur Wichtigkeit von breiten, situationsübergreifenden Zielen (Ziele, persönliche) als Leitprinzipien in ihrem Leben. Die derzeit führende Werttheorie von Schwartz & Bilsky (1987) unterscheidet (1) 10 Grundwerte (basic values) wie z. B. Macht, Sicherheit und Benevolenz, die weltweit kultur-übergreifend gelten; (2) die Interkorrelationen zw. Items, die messen, wie wichtig diese Werte für versch. Personen sind, führen i. d. R. zu einem Zirkumplex bzw. einfach zu einer Kreisstruktur im 2-dimensionalen MDS-Raum (Schwartz & Bilsky, 1987); (3) in dieser Struktur sind die Werte kreisförmig geordnet als Macht (Ma)—Leistung (Le)—Hedonismus (He)—Stimulation (St)—Selbstbestimmung (Sb)—Universalismus (Un)—Benevolenz (Be)—Tradition (Tr)—Konformität (Ko)—Sicherheit (Si)—Macht (Ma); (4) die Grundwerte lassen sich in vier Kreissegmente trennen, die als Werte höherer Ordnung bez. werden; diese sind Selbstbetonung (Self-Enhancement: Ma, Le) und, gegenüberliegend, Selbsttranszendierung (self-transcendence: Be, Un); und Bewahrung (conservation: Si, Ko, Tr) versus Offenheit für Veränderung (openness to change: He, St, Sb).

Die obigen vier Theoreme wurden bislang so oft und in so vielen Kulturen bestätigt, dass man sie als psychol. Gesetzmäßigkeiten bez. kann (Borg et al., 2017). Der Wertkreis ist aber nicht nur ein stat. Modell, das die Inter-Korrelationen von Wertitems beschreibt, sondern auch eine Theorie über das Zustandekommen und die Dynamik indiv. Werturteile: Versch. Personen unterscheiden sich darin, wie sie sich im Wertkreis platzieren; jede Person ist somit repräsentiert als ein Punkt innerhalb des Wertkreises; benachbarte Werte werden jew. ähnlich angestrebt und gegenüberliegende Werte erscheinen psychol. unverträglich; Personen im Kreiszentrum streben alle Werte gleichermaßen an.

Zur Messung persönlicher Werte gibt es versch. Skalen. Die heute gebräuchlichste ist der PVQ (Portrait Values Questionnaire; Borg et al., 2019). Sie besteht aus 21 Items, die jew. eine best. Person mit ihren Zielen, Bestrebungen und Wünschen beschreiben. Die befragte Person wird gebeten, sich mit diesen Porträts zu vergleichen («Wie ähnlich ist Ihnen diese Person?») und auf einer 6-stufigen Antwortskala von «sehr ähnlich» bis «überhaupt nicht ähnlich» einzustufen. Für den Grundwert Si etwa sind die Items: (1) «Es ist ihm wichtig, in einem sicheren Umfeld zu leben. Er vermeidet alles, was seine Sicherheit gefährden könnte.» (2) «Es ist ihm wichtig, dass der Staat seine persönliche Sicherheit vor allen Bedrohungen gewährleistet. Er will einen starken Staat, der seine Bürger verteidigt.» Der Score der Person für Si ist dann ihr durchschnittliches Rating für diese beiden Items.

Es gibt zahlreiche Studien zu Wert-Unterschieden (z. B. Frauen sind eher Be-orientiert, Männer streben eher nach Ma; ältere Personen tendieren mehr zu Tr, jüngere zu St), zur Stabilität von Werten und Veränderungsmustern (z. B. nach Migration in eine andere Kultur) und zu den verschiedensten Variablen, die sich mit Werten erklären lassen (z. B. Delinquenz, politische Orientierung und Wahlverhalten, Religiosität, Alkoholkonsum oder soziale Attraktion; Attraktion). Werte, sozial-interaktive Bedeutung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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