Werthaltung

 

(= W.) [engl. personal values, individual values], [EW, PER, SOZ], ist eine stabile Disposition, die ausdrückt, was eine Person im Leben wichtig findet und welche langfristigen Lebensziele (Ziele, persönliche) dementsprechend als wünschenswert erachtet werden (Werte). Im wiss. dt. Sprachgebrauch hat sich der Begriff der W. etabliert, um zu charakterisieren, wie ein Individuum diese präsenten Werte priorisiert, wie wichtig also jeder Wert für das Individuum ist. Alternativ wird auch der Begriff Wertorientierung verwendet. Im angloamerik. Raum hingegen werden oft sowohl Werte als auch Werthaltungen als values bezeichnet. Die W. ist Teil des Selbstkonzepts, da sie auch eine Antwort auf die Frage gibt: Wer bin ich? In Abgrenzung zur Einstellung und zum Interesse bezieht sich die W. nicht nur auf ein spezif. Objekt (z. B. Person, Gruppe, Idee), sondern wirkt als Leitlinie für das Leben über Situationen und die Zeit hinweg. So kann die Priorisierung eines Wertes zwar mit einer best. Einstellung gegenüber einem spezif. Objekt einhergehen und sich auch in gesteigertem Interesse und höherer Aufmerksamkeit in Bezug auf ein Objekt zeigen, die W. ist aber abstrakter als diese beiden. In Abgrenzung zu Persönlichkeitsdimensionen wie z. B. den Big Five beinhaltet die W. eine zentrale motivationale Komponente. Während die Ausprägungen eines Individuums auf den Big Five beschreiben wie eine Person ist (z. B. gewissenhaft), beschreibt die W., wonach eine Person strebt (z. B. Sicherheit). So zeigen einige der Big Five zwar eine thematische Überlappung und dementsprechend eine pos. Korrelation mit Werten (z. B. Verträglichkeit mit prosozialen Werten), beide Konstrukte sind aber unterscheidbar (Fischer & Boer, 2015). W. sagen Verhalten vorher (Bardi & Schwartz, 2003; Maio et al., 2009). Z. B. benutzen Menschen, die den Wert Universalismus wichtig finden, eher umweltfreundliche Produkte, und Menschen, denen Leistung wichtig ist, lernen viel kurz vor wichtigen Prüfungen, auch wenn sie sich schon vorher viel Wissen angeeignet haben. Kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede in W. sowie ihr Bezug zur Lebenszufriedenheit wurden in umfangreichen Studien untersucht (Schwartz, 2014, Welzel & Inglehart, 2010). In der langen Geschichte der Diskussion und Erforschung der W. wurden W. vorwiegend als relativ stabil angesehen. Wertewandel und Werteentwicklung sind erst in neuerer Zeit in den Fokus der Forschung gerückt. Das Modell des Wertewandels [engl. value change] von Bardi & Goodwin (2011) etwa erklärt, wie W. sich kurz- und langfristig verändern und wie  Priming, Adaptation, Identifikation, das Streben nach Konsistenz, sowie Persuasion Wertewandel verstärken können. Neuere Studien zur Werteentwicklung (Döring et al., 2016) beleuchten das Zusammenspiel von interindiv. Unterschieden, Reifung, zentralen Lebensereignissen und Erfahrungen (s. a. Wertbildung).

Referenzen und vertiefende Literatur

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