Wissenschaftskommunikation

 

(= W.) [engl. science communication], [PÄD], umfasst Kommunikation von Wissenschaften (z. B. die Berichterstattung zu neuen Forschungsergebnissen) und über Wissenschaften (z. B. zu wiss. Debatten oder zu Einrichtungen der Forschung). Dabei geht es vornehmlich um die Kommunikation mit der Öffentlichkeit, also um die Verständigung über Wissenschaften mit Personen, die selbst nicht über das jew. Fachwissen verfügen. Anders als in formalisierten Lehr-Lern-Kontexten (Schule, Hochschule; Lehr-Lern-Forschung) wird die W. von den Beteiligten nicht primär als Lehr-Lern-Situation wahrgenommen, gleichwohl sind päd.-psychol., medien- und sozialpsychol. Prozesse dafür bedeutsam.

W. erfolgt durch mediale Vermittlung, z. B. durch Wissenschaftsformate im Fernsehen oder durch populärwiss. Zeitschriften. Die Auswahl und die Veränderung von wiss. Theorien und Ergebnissen im Prozess der medialen Vermittlung (z. B. die Aufbereitung durch Journalisten) ist Gegenstand kommunikationswiss. Forschung. Ps. Forschung zur W. betrifft u. a. die Rolle von Vorwissen und themenbezogenen Einstellungen auf die Auswahl, das Verständnis und die Bewertung von medial aufbereiteten Wissenschaftsinformationen. Hierzu ist die Hypothese der motivierten Informationsverarbeitung bes. relevant, nach der die Einstellungen zum Thema nicht nur die Bewertung, sondern auch bereits die Auswahl und das Verständnis der verarbeiteten Informationen betreffen (Mediennutzungsforschung, Medienrezeption). Allerdings gibt es z. B. keine lineare Beziehung zw. der Einstellung zu einer Thematik und dem Umfang an Informationen, die dazu aufgesucht und gespeichert werden (Bsp.: Sowohl starke Gegner als auch starke Befürworter der Gentechnik befassen sich intensiv mit Wissenschaftsinformationen zu dieser Thematik; Bromme & Kienhues, 2012).

W. erfolgt auch durch das Internet. Die dort verfügbare Vielfalt an Informationsangeboten erfordert vom Nutzer in besonderer Weise eine Auswahl- und Bewertungskompetenz. Diese wird psychol. (lesetheoretisch) als Kompetenz des Umgangs mit multiplen Dokumenten verstanden. Die psychol. Forschung dazu betrifft die Prozesse der Entdeckung und der Bewältigung von konfligierenden Geltungsbehauptungen (d. h. unterschiedlichen Positionen von Wissenschaftlern zu umstrittenen Fragen). Die psychol. Besonderheit der W. (im Unterschied zu der Kommunikation zu Themen aus alltäglichen Erfahrungsbereichen) besteht darin, dass Nichtfachleute (Laien) sich dabei oftmals zw. konfligierenden Geltungsbehauptungen entscheiden müssen, die sie aufgrund des fehlenden Fachwissens eigentlich nicht abschließend beurteilen können. Dafür sind sowohl subj. Plausibilitätsurteile auf der Grundlage des Alltagsverständnisses von wiss. Sachverhalten wie auch die Zuschreibung von Vertrauen in die Quellen der konfligierenden Geltungsbehauptungen erforderlich. Dies wird auch als das Problem der kogn. Arbeitsteilung (Keil, 2010) bez. (Bsp.: Bei Gericht müssen Schöffen und Richter entscheiden, welche wissenschaftsbasierte Aussage konfligierender Gutachter sie für überzeugend halten).

Eine Variante der W. ist die Experten-Laien-Kommunikation. Wenn Fachleute (z. B. Psychologen, Mediziner) ihre Klienten beraten, vermitteln sie dabei Elemente ihres Fachwissens (s. a. partizipative Entscheidungsfindung). Insofern umfasst die Anwendung wiss. Wissens immer dann W., wenn die Klienten/Pat./Kunden das Expertenwissen nutzen und es dafür (wenigstens in Ausschnitten) auch selbst verstehen müssen. Die Ps. der Experten-Laien-Kommunikation betrifft die Verständigungsprobleme, die sich aus dem unterschiedlichen Sprachrepertoire und aus dem unterschiedlichen Hintergrundwissen von Experten und Laien ergeben. Und sie betrifft die wechselseitigen Rollenerwartungen und Fähigkeitszuschreibungen, die sich häufig aus dem institutionellen Kontext ergeben, in dem sich Experten und Laien begegnen (Bromme & Jucks, 2013).

Verwendete Literatur

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