Zeichenkonzeptionen der Wahrnehmung

 

(= Z.) [engl. sign conceptions of perception; lat. concipere zusammenfassen, sich vorstellen], [WA], Z. liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Wahrnehmung äußerer Objekte durch ein symbolisches (Symbol) Medium, nämlich Zeichen, erfolgt und dass diese symbolisch zw. äußeren Objekten und Wahrnehmungsobjekten vermitteln können. Z. entstanden im Gefolge der platonischen Einsicht, dass äußere Objekte und Wahrnehmungsobjekte durch eine logische Kluft voneinander getrennt sind. Seitdem durchziehen Bemühungen, diese Kluft zu überbrücken, die Ideengeschichte des Abendlandes. Aristoteles suchte diese Kluft durch Annahme einer Ähnlichkeitsrelation zw. äußeren Objekten und mentalen Wahrnehmungsobjekten zu überbrücken, wie sie in der Siegel-Wachs-Metapher der Wahrnehmung zum Ausdruck kommt. Aristotelischen Konzeptionen zufolge ermöglicht ein fortschreitender Abstraktionsprozeß eine graduelle «Dematerialisierung» äußerer Wahrnehmungsobjekte und somit ihre «Einformung» (informatio) in den Bereich des Mentalen. Moderne Varianten einer solchen Ähnlichkeitskonzeption sind sog. Inverse-Optics-Konzeptionen sowie Bayes'sche Ansätze in der Wahrnehmungspsychologie. Bereits im 17. Jh. wurde die prinzipielle Unangemessenheit von Ähnlichkeitskonzeptionen erkannt, an deren Stelle zunehmend Z. traten. Zeichen stehen in einer logisch willkürlichen Beziehung zum Bezeichneten und beziehen ihren Zeichencharakter weder durch ein Ähnlichkeits- noch durch ein Kausalverhältnis. Vielmehr erhalten sie ihren Zeichencharakter erst durch die Befähigung zu einer symbolischen Zeicheninterpretation auf der Basis intern verfügbarer Bedeutungskategorien. Die für die Wahrnehmungspsychologie bedeutendsten frühen Z. wurden von Alhazen (965–1039) und Descartes (1596–1650) formuliert. Auch Helmholtz (1821–1894) war der Auffassung, dass sich die menschliche Wahrnehmung nur auf der Basis einer Z. verstehen ließe. Durch seine Isomorphismus-Konzeption der Beziehung von Zeichen und Welt, die eine aristotelische Konzeption auf höherstufigen Objekten darstellt, suchte er seine Z. mit «empiristischen Konzeptionen des Geistes» verträglich zu halten. Allen Z. liegt die Einsicht zugrunde, dass sich die das Perzept (Perzeption) charakterisierenden Objekttypen und Relationen nicht aus dem sensorischen Input abstrahieren oder durch ein Verfahren induktiver Inferenz gewinnen lassen (Poverty-of-Stimulus-Problem). Die Theorie computationaler Systeme ermöglicht, diese Einsichten in präziser Weise zu fassen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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