Zeit

 

(= Z.) [engl. time], [KOG], Z. spielt sowohl im Erleben und Verhalten als auch in der psychol. Forschungsmethodik eine wichtige und vielgestaltige Rolle. Alle psychol. relevanten Ereignisse haben zeitliche Eigenschaften. Das heißt, sie haben eine best. Dauer und sie stehen in zeitlicher Relation (z. B. Gleichzeitigkeit oder zeitliche Reihenfolge) zu anderen Ereignissen. Zeitliche Ereigniseigenschaften werden von Menschen sowie von zahlreichen anderen Spezies wahrgenommen und auf vielfache Weise kogn. verarbeitet (Kognition). Durch den Prozess der Zeitwahrnehmung wird die obj. physikal. Z. in erlebte psych. Z. überführt. Die Zeitwahrnehmung wird nicht wie sensorische Wahrnehmung über spezialisierte Transduktoren vermittelt, sondern stattdessen durch endogen erzeugte zeitliche Referenzrepräsentationen, sog. «innere Uhren». Diese inneren Uhren interagieren mit sensorischen Ereignissen und sind in fast alle psych. Prozesse eingebunden. Die neuronale Basis und die genaue Funktionsweise der inneren Uhren sind allerdings umstritten. Eine Gruppe von Theorien geht davon aus, dass ein einzelner spezialisierter Mechanismus Dauer- und Reihenfolge-Informationen für alle zeitbezogenen kogn. Prozesse bereitstellt (central clock theories). Eine andere Gruppe von Theorien nimmt an, dass Z. über das kogn. System verteilt repräsentiert (Repräsentation) ist, dass also jeder zeitbezogene kogn. Prozess seinen eigenen Zeitgeber hat (distributed-timing theories). Psych. Z. wird subj. erlebt. Dabei kann der obj. gleichförmige Z.verlauf als subj. beschleunigt oder verlangsamt erlebt werden. Zeitliches Erleben weist auch emot. Komponenten (Emotionen) auf wie z. B. bei der Empfindung von Zeitmangel, Stress oder Langeweile. Neben der Erlebnisqualität haben mentale Z.repräsentationen viele wichtige kogn. Funktionen in der Wahrnehmungsorganisation und Verhaltenssteuerung. Z. B. werden zeitliche Ereigniseigenschaften genutzt, um relationale und funktionale Informationen zu gewinnen. So verarbeitet das Gehirn u. a. die wahrgenommene Reihenfolge von Ereignissen, um auf kausale Beziehungen (Kausalität) zw. ihnen zu schließen. In ähnl. Weise wird die typische Dauer des Intervalls zw. eigenen Handlungen und deren sensorischen Folgen dazu genutzt, um Effekte eigener Handlungen von kontingenten Umweltereignissen zu unterscheiden. In der Handlungssteuerung werden zeitliche Repräsentationen dazu genutzt, um eigene Handlungen an zeitliche Ereignismuster in der Umwelt anzupassen. In diesem Zusammenhang spricht man, analog zur räumlichen Aufmerksamkeit (Aufmerksamkeit, ortsbasierte), auch von zeitliche Aufmerksamkeit, die in der zeitlich selektiven (d. h. nur zu einem best. Zeitpunkt stattfindenden) Verbesserung versch. kogn. Verarbeitungsleistungen besteht. Neben der Anpassung an zeitliche Strukturen im Sekunden- oder Minutenbereich sind Menschen und viele andere Spezies auch an längerfristigen zeitlichen Mustern orientiert (Aktivitätsperiodik). Dabei ist allerdings umstritten, ob diese Anpassungen phylogenetischer oder ontogenetischer Natur sind. Zeitliche Ereignisaspekte sind nicht nur Gegenstand psychol. Vorgänge, sondern psychol. Ereignisse haben selbst auch eine charakteristische zeitliche Ausdehnung. Dies macht sich die Chronometrie zunutze, indem aus den Reaktionszeiten (Reaktionszeit) von Vpn auf psychol. Verarbeitungsmechanismen geschlossen wird.

Referenzen und vertiefende Literatur

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