Zeitwohlstand

 

(= Z.) [engl. prosperity of time], [GES, WIR], in Dt. wurde das Konzept des Z. in den 1990er-Jahren vor allem i. R. der Forschung zu neuen «postmateriellen» Lebensstilen und dem «Guten Leben» entwickelt. Z. wurde und wird bis heute als Weiterentwicklung des konventionellen (materiellen) Wohlstandskonzepts verstanden und insbes. mit nachhaltigen Konsum- und Produktionsmustern (Konsumverhalten) in Verbindung gebracht. Z. wird sowohl auf indiv. Ebene (persönlicher Z.) als auch auf gesellschaftlicher Ebene (kollektiver Z.) diskutiert, sowohl als Ziel als auch Instrument, als quant. Verteilungsproblem und qual. Problem der Generierung. Grundsätzlich lebt im Z., wer selbstbestimmt über seine zeitliche Lebensgestaltung entscheiden kann, weil man auf auskömmlichem materiellen Niveau ausreichend Zeit – zum richtigen Zeitpunkt, gemäß den eigenen sozialen und biol. Rhythmen – pro Zeitverwendung zur Verfügung hat. Jenseits dieses Kernverständnisses wird das Konzept unterschiedlich beschrieben und ausgeführt. Letztlich geht es jedoch immer um: Zeitautonomie und Zeitsouveränität, ausreichend Zeit pro Zeitverwendung für Pflichten und Wünsche (verfügbare Zeit), Zeit zum richtigen Zeitpunkt und gemäß der eigenen und sozialen Rhythmen, auf Meso- und Makroebene auch um Verteilungsgerechtigkeit beim Zugang zu Zeitressourcen. In der Zeitforschung wird Z. auch als eine neue Souveränität im Umgang mit der Vielfalt der Zeiten beschrieben: die Zeiten und Rhythmen der Natur wahrnehmen (Achtsamkeit); für sinnerfüllte Aktivitäten die angemessene Zeit haben; seine Eigenzeiten leben und mit denen der Mitmenschen synchronisieren; etwas genießen, ohne das Gefühl zu haben, etwas anderes zu verpassen; eine Balance finden zw. von außen kommenden Zeitvorgaben und den eigenen Gestaltungsspielräumen. Diese aktive Gelassenheit sei die Voraussetzung für das Entwickeln indiv. Ressourcen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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