Zielablösezyklus

 

(= Z.) [engl. goal-disengagement cycle], [EM], besteht nach Klinger (1977) aus vier Phasen, die dann einsetzen, wenn ein Hindernis zur Zielerreichung (Ziele) unüberwindbar erscheint: (1) Bekräftigung der Zielverfolgung, (2) Ärger und Aggression, (3) Enttäuschung und Entmutigung bis hin zu Depression und (4) Erholung. Wird ein persönliches Ziel erreicht, löst dies Freude aus. Wird es aber endgültig nicht erreicht, beginnt ein komplizierter Vorgang der Zielablösung. Es fällt besonders schwer, auf das unerreichbar gewordene Ziel zu verzichten, weil man sich schon darauf festgelegt hat – eine Bindung, die nicht ungeschehen gemacht werden kann. Bei ersten Anzeichen von Misserfolg setzt Frustration ein, und Personen bekräftigen für gewöhnlich die Zielverfolgung. Wenn stärkere Bemühungen immer noch nicht zur Zielerreichung führen, versucht man es noch heftiger, ärgert sich und wird vielleicht sogar aggressiv. Wenn der Misserfolg nach und nach unvermeidlich erscheint, wird man, je nachdem wie wichtig einem das Ziel ist (Anreiz), enttäuscht, entmutigt, niedergeschlagen oder depressiv. Normalerweise führt diese Entmutigung zu einem verringerten Interesse für jegliche Anreize und schließlich auch für das verlorengegangene Ziel. Danach verbessert sich allmählich das Befinden wieder; man erholt sich. Die Ablösung vom ehemaligen Ziel und die Festlegung auf neue Ziele begünstigt die Erholung. Allerdings ist das Ziel nicht ganz verschwunden, es werden lediglich Reaktionen auf seine Auslösungsreize gehemmt. Falls sich die Lage so weit ändert, dass das Ziel doch noch erreichbar wird, kann die Hemmung u. U. aufgehoben und die Zielverfolgung wieder aufgenommen werden. Die Phasen des Zyklus können sich mit den Umständen ändern und sie unterscheiden sich zw. Personen. Erfolgt der endgültige Misserfolg z. B. durch den Tod einer geliebten Person, kann die Bekräftigungsphase Ungläubigkeit oder Bestrebung nach Rettungsmöglichkeiten beinhalten und die Aggressionsphase kann Beschuldigung der ärztlichen Behandlung oder des eigenen Verhaltens mit sich bringen.

Verwendete Literatur

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