Zielhierarchie

 

(= Z.) [engl. goal hierarchy; gr. ἱερός (hieros) heilig, ἀρχή (arche) Herrschaft], [EM, SOZ], bezeichnet ein mentales System aus unter- und übergeordneten Zielen. Untergeordnete Ziele können dabei gleichzeitig Mittel sein, um andere, übergeordnete Ziele zu erreichen; sie können aber auch übergeordnete Ziele für andere, untergeordnete Ziele sein. Die übergeordneten Ziele sind meist langfristige Ziele (z. B. Anwalt werden), die den Inhalt der untergeordneten, kurzfristigen Ziele (z. B. Jura-Studium abschließen) bestimmen. Die einzelnen Ziele sind mental miteinander verbunden und können dabei sowohl vertikal mit über- oder untergeordneten Zielen (z. B. Studium abschließen – Klausur bestehen) als auch horizontal mit alternativen Zielen (z. B. Mathe-Klausur bestehen – Deutsch-Klausur bestehen) verknüpft sein. Ziele, die sich gegenseitig bedingen (Studium abschließen – Klausur bestehen), aktivieren sich typischerweise wechselseitig. Ziele können jedoch auch miteinander in Konkurrenz stehen (für ein Examen lernen – auf eine Party gehen) und sich gegenseitig hemmen. Durch die begrenzte Aufmerksamkeitskapazität gerät immer nur ein Ziel oder ein Teil der Ziele in das Bewusstsein (fokale Ziele). Jedoch können auch die nicht bewussten Ziele (hintergründige Ziele) das Verhalten beeinflussen (Automotiv-Theorie). Wie sehr ein Ziel ein anderes aktiviert, hängt ab von der Stärke der Assoziationen zw. den Zielen. Die Stärke der Assoziationen best. auch die Übertragung von Commitment: Personen, die entschlossen sind, ein übergeordnetes Ziel zu erreichen, werden auch entschlossen sein, ein instrumentelles, untergeordnetes Ziel zu erreichen, wenn beide Ziele eng miteinander verknüpft sind. Schließlich fördert nach Bandura und Schunk (1981) das Setzen von mehreren untergeordneten Zielen auf dem Weg zu einem übergeordneten Ziel Persistenz, weil Personen durch das Erreichen von untergeordneten, kurzfristigen Zielen pos. Rückmeldung erhalten. Positive Rückmeldung fördert die intrinsische Motivation und den Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit (Selbstwirksamkeitserwartung).

Referenzen und vertiefende Literatur

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