Zivilcourage, Förderung

 

[engl. civil/moral courage, promotion], [SOZ], trotz zahlreicher Appelle von Politikern und Bürgerrechtsinitiativen, die Zivilcourage (= Z.) und Mut zum Einmischen fordern, beobachten wir täglich, dass nicht eingegriffen wird. Um zivilcouragiertes Verhalten gezielt fördern zu können, müssen Situationen, die Menschen davon abhalten, einzuschreiten, und Determinanten, die die Bereitschaft zum Eingreifen erklären, bewusst gemacht und aktiv trainiert werden. In Z.-Situationen liegt oft ein Machtungleichgewicht zuungunsten der Person, die zivilcouragiert handelt, vor. Meist muss sich eine zivilcouragierte Person in einer Situation, die Z. erfordert, mit einem oder mehreren Tätern auseinandersetzen, d. h. sich mutig gegen sie stellen. In einer Vielzahl von Studien über die Determinanten zivilcouragierten Verhaltens (Osswald et al., 2010) haben sich folg. wichtige Einflussfaktoren gezeigt: Klarheit, dass eingegriffen werden muss, Selbstsicherheit (d. h. hohe internale Kontrollüberzeugungen), Übernahme sozialer Verantwortung und Empathie. Um Z. zu fördern, ist es daher notwendig, i. R. von Trainings Faktenwissen (Wissen) zu vermitteln und insbes. auch Handlungskompetenzen i. S. adäquater Verhaltensweisen in kritischen Situationen zu vermitteln und zu stärken. Ferner stehen Salienz gesellschaftlicher Normen und Ärger mit den Tätern sowie Gerechtigkeitssensibilität (Ungerechtigkeitssensibilität), ziviler Ungehorsam und Widerstand gegen Gruppendruck in pos. Zusammenhang mit zivilcouragiertem Verhalten (Niesta Kayser et al., 2010). Zur weiteren Förderung von Z. bedarf es einer Sensibilisierung für und Vorbereitung auf Situationen, in denen Menschen die Freiheit und Würde anderer bedrohen oder verletzen. In den letzten Jahren ist eine Fülle an Trainings zur Förderung von Z. entstanden. Zu den wiss. fundierten Trainingsprogrammen zählen das Göttinger Zivilcourage-Training (GZT), das Heidelberger Projekt Faustlos oder das Münchner Zivilcourage-Training. Einige grundlegende Schritte lassen sich aus diesen Programmen ableiten, die sich für die Förderung von Z. auf einer breiten gesellschaftlichen Ebene als sinnvoll erwiesen haben: (1) Förderung der Eigenverantwortung für Z. und der Erweiterung des Handlungsrepertoires von Individuen durch gezielte Trainings; (2) langfristige Aktivierung von Multiplikatoren, die sich für die Förderung von Z. verantwortlich fühlen; (3) Institutionalisierung durch Vereinbarung von Spielregeln in Betrieben, Schulen und Universitäten; (4) Förderung von Z. als Gegenstand der gesamtgesellschaftlichen Diskussion.

Referenzen und vertiefende Literatur

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