Zukunftsdenken

 

(= Z.) [engl. future thinking], [KOG], ist ein Überbegriff für versch. Formen zukunftsorientierter Kognitionen wie Vorstellungen über die Zukunft, Erwartungen sowie Ziele und Pläne. Diese Formen des Z. haben unterschiedliche Funktionen für die Steuerung von Verhalten. Zukunftsvorstellungen sind bildhafte Gedanken zu potenziellen, in der Zukunft liegenden Ereignissen oder Handlungen. In der wiss. Literatur werden sie als mentale Simulationen der Zukunft, mentale Zeitreisen in die Zukunft, Ergebnissimulationen und Prozesssimulationen, oder Phantasien über die Zukunft bez. Sie dienen dazu, die vielfältigen Möglichkeiten der Zukunft sowie mögliche Probleme und Gefahren, die in der Zukunft auftreten können, gedanklich auszuloten. Zukunftsphantasien können auch der Handlungsförderung dienen, wenn sie mit Gedanken über die gegenwärtige Realität mental kontrastiert werden (WOOP). Erwartungen über die Zukunft sind Urteile darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass best. Ereignisse oder Handlungen eintreten werden oder nicht. Es werden unterschiedliche Erwartungen wie Handlungsergebniserwartungen, Selbstwirksamkeitserwartungen, oder generalisierte Erwartungen (Optimismus/Pessimismus) unterschieden. Erwartungen über die Zukunft können auf vergangenen Erfahrungen, stellvertretenden Erfahrungen, auf Überzeugungsversuchen anderer oder auf Interpretationen physiol. Prozesse beruhen. Sie kommen oft mithilfe von Heuristiken zustande. Erwartungen dienen dazu, Ereignisse vorherzusagen, Entscheidungen zu treffen und Verhalten in der Gegenwart zu steuern (Erwartung-Wert-Theorien). Ziele sind mentale Repräsentationen von Ereignissen, die eine Person zu erreichen versucht, und Pläne sind mentale Repräsentationen der Schritte auf dem Weg dorthin. Ziele und Pläne können versch. Zeitperspektiven haben, spezif. oder vage formuliert sein und unterschiedliche Strukturen haben (Zielhierarchie). In der Literatur werden versch. Formen von Zielen und Plänen unterschieden wie persönliche Ziele, Identitätsziele, Leistungsziele (Annäherungs-Leistungsziele, Vermeidungsleistungsziele), Lernziele, Intentionen bzw. Implementierungsintentionen. Ziele und Pläne ermöglichen es Personen, auf best. Ereignisse zu fokussieren und ihr Verhalten, oft langfristig, auszurichten.

Die Fähigkeit über Ereignisse in der Zukunft nachzudenken ist ein herausstellendes Merkmal der menschlichen Art. Allerdings ist Z. nicht immer handlungsförderlich und die Einschätzungen über die Zukunft sind nicht immer akkurat. So imaginieren Personen die Zukunft oft in einer idealisierten Weise und vernachlässigen Kontextfaktoren sowie Details beim Imaginieren der Zukunft. Außerdem unterschätzen sie oft, wie sehr sie sich an neue Situationen adaptieren werden (z. B. nach einem schweren Unfall oder einem Lottogewinn) und unterschätzen die Zeit, die sie brauchen werden, um eine Aufgabe abzuschließen (Planungsfehler).

Referenzen und vertiefende Literatur

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