Zukunftserleben

 

(= Z.), [KOG, PHI], syn. Zukunftsbewusstsein [engl. awareness of the future], Zukunftsbezogenheit [engl. future relatedness]. Der Begriff bezieht sich auf alle kogn. (Kognition), konativen (Konation) und affektiven (Affekt) Momente, die auf Kommendes oder Zukünftiges gerichtet sind. Dazu gehören alle prospektiven und propulsiven Erlebnisformen wie Zielstrebigkeit, Hoffnung, Mut, Zuversicht, Unsicherheit, FurchtAngst u. a. Z. kann als Teil des gesamten personellen Zeitbezugssystem betrachtet werden (Zeit, Zeitwahrnehmung), welches die dynamischen Vorgänge im Individuum strukturiert, ordnet und lenkt. Stern beschrieb erstmals die Zukunftsbezogenheit der Gefühle in deren richtungsgebender und steuernder Funktion. Experimentalpsychol. Ansätze zum Zukunftsbewusstsein gehen auf Keller zurück, der im Wissen von Können und im Gefasstsein auf etwas dynamische, steuernde Zukunftstendenzen sieht. Keller unterscheidet Zukunft auf nahe Sicht von Zukunft auf weite Sicht. Diese Einteilung wurde von Bergius übernommen, der persönlichkeitsspezifische und weitgehend situationsunabhängige Tendenzen des Zukunftserlebens aufwies. Müller (1973) konstruierte eine Optimismus-Pessimismus-SkalaGjesme (1980) stellte einen Zusammenhang des Z. mit der Testängstlichkeit her, und Lamm, Schmidt und Trommsdorf revidierten die älteren Annahmen über Geschlecht und soziale Klasse als Determinanten des Z.; schließlich haben auch Füchsle et al. (1980) ein Messinstrument entwickelt, mit dem versucht wird, interindiv. Unterschiede des Z. zu erfassen. Als psychol. Begriff umfasst Z. die indiv. Formen von Antizipationen, Gerichtetheiten und sonstigen von personellen Zielen ausgehenden Wirkungen. Dagegen zielt die Futurologie, eine soziologische Teildisziplin (Soziologie), mehr auf die Prognose der Entwicklung der Menschheit unter den versch. wiss. Aspekten. Optimismus, Pessimismus.

Verwendete Literatur

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