Zwangsprozessmodell

 

[engl. model of coercion, coercion theory], [KOG, SOZ], Ausgangspunkt dieses lerntheoret. Modells (Lerntheorien) zur Erklärung einer Beziehungsstörung innerhalb einer intimen Beziehung oder Ehe ist der Wunsch eines Partners, den anderen zu verändern. Dieser Wunsch erwächst fast zwangsläufig auf kurze oder lange Sicht als Folge der Veränderungen im Familienzyklus und nach kritischen Lebensereignissen, der Enttäuschung von partnerschaftlichen Erwartungen oder alltäglichen Ereignissen. In alltäglichen Situationen, aber bes. in Krisenzeiten bedienen sich Partner unterschiedlich hilfreicher Methoden, den anderen zu Verhaltensänderungen zu bringen. Ein sog. Zwangsprozess beginnt, wenn Person A eine Änderung wünscht und häufig nach Anwendung versch. erfolgloser Methoden zu aversiven Maßnahmen greift (Patterson & Reid, 1970). Person A wird dann versuchen, sich mit Bestrafung durchzusetzen (z. B. Kritisieren, Nörgeln, Drohen, Schreien, Entzug pos. Verstärker wie Zärtlichkeiten). Kurzfristig lenkt B ein und wird neg. verstärkt (Verstärkung): Das aversive Verhalten von A hört (endlich) auf. Gleichzeitig wird A im aversiven Verhalten pos. verstärkt: Die gewünschte Verhaltensänderung von B ist (endlich) eingetreten. In Zukunft steigt die Wahrscheinlichkeit bei beiden Partnern, dass eine aversive Methode zur Durchsetzung eigener Interessen angewendet wird. Ein Merkmal aversiver Kontrolle ist allerdings, dass dadurch keine dauerhaften Verhaltensänderungen hervorgerufen werden und der Konflikt erneut aufbrechen wird. Es resultieren immer mehr ungelöste Konflikte, und die Partner verstricken sich bei ihren untauglichen Lösungsversuchen in zunehmend aversiveren Zirkeln, da nach gewisser Zeit bei beiden eine Habituation an die Strafreize eintritt. Die aversiven Maßnahmen müssen somit in ihrer Intensität gesteigert werden, um noch Wirkung zu erzielen. Begleitet wird diese neg. Spirale durch eine reziproke Reduktion der pos. Interaktion in der Beziehung, die durch Gewöhnungsprozesse, die bei jedem Paar zu erwarten sind, noch beschleunigt wird.

Referenzen und vertiefende Literatur

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