Zwangsstörungen, Psychopharmakotherapie

 

[engl. obsessive-compulsive disorders, psychopharmacotherapy], [KLI, PHA], psychopharmakol. Behandlung spielt in der Versorgung von Zwangsstörungen eine wichtige Rolle, u. a. wegen der Tatsache, dass nur ein geringer Teil der Betroffenen den Weg zur Psychoth. findet. Pharmakol. Therapie ist spez. dann indiziert, wenn (1) reine Zwangsgedanken vorliegen und (2) wenn bei der Person deutliche depressive Komorbidität (Depression) gegeben ist. Die pharmakol. Behandlung erfolgt primär mit serotonergen Antidepressiva, d. h. mit einem Serotoninrückaufnahmehemmer (Serotoninwiederaufnahmehemmer, selektive (SSRI)) oder, wegen der stärkeren unerwünschten Wirkungen erst in zweiter Linie, mit dem trizyklischen Antidepressivum Clomipramin. I. d.R. sind die Dosierungen höher als bei der Therapie depressiver Störungen, die Wirklatenz ist deutlich länger, und eine Remission wird seltener erreicht. Die Behandlung sollte mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen (Zwangsstörungen, Psychotherapie) kombiniert werden, zusätzlich sollten komorbide Störungen behandelt werden. Oft ist eine Erhaltungstherapie sinnvoll und notwendig, Wirksamkeitsstudien, die über die Dauer von mehr als zwölf Monaten hinausgehen, liegen jedoch nicht vor. Bei Therapieresistenz wird in erster Linie mit Antipsychotika kombiniert. Wegen der besseren Verträglichkeit ist Antipsychotika der zweiten Generation (atypischen Antipsychotika) der Vorzug zu geben.

Verwendete Literatur

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